Raumausstatter & Sattler-Innung Südbaden

 

Ausbildungsberuf Raumausstatter/in

Die Tätigkeit im Überblick

Räume gestalten - das ist die Aufgabe einer Raumausstatterin / eines Raumausstatters. Dabei berücksichtigen sie die jeweiligen Kundenwünsche. Sie wählen passende Bodenbeläge, Wandbekleidungen, Vorhänge oder Jalousien und Polstermöbel aus. Die Polster stellen sie auch selbst her. Außerdem montieren sie Sicht-, Licht- und Sonnenschutzsysteme.

Beschäftigungsmöglichkeiten finden sich insbesondere in Fachbetrieben des Raumausstatter-Handwerks und in allen Betrieben, die entsprechende Dienstleistungen anbieten. Gearbeitet wird vor allem in Verkaufsräumen, Werkstätten sowie in den Räumen der Kunden.

Die Ausbildung im Überblick

Raumausstatter/in ist ein anerkannter Ausbildungsberuf nach der Handwerksordnung (HwO). Er ist keinem Berufsfeld zugeordnet und wird im Handwerk nach folgenden Schwerpunkten ausgebildet:

  • Boden
  • Polstern
  • Raumdekoration sowie Licht-, Sicht- und Sonnenschutz
  • Wand- und Deckendekoration

Die Ausbildung dauert 3 Jahre.


Aufgaben und Tätigkeiten

Raumausstatter/innen beraten Kunden über die Ausstattung von Wohn- und Geschäftsräumen. Sie planen die Raumausstattung und bereiten sie vor; beispielsweise wählen sie die Materialien aus und ermitteln die Kosten. Sie verlegen Bodenbeläge, kleiden Wände und Decken mit Stoffen und Tapeten aus, dekorieren Fenster und Räume, montieren Licht-, Sicht- und Sonnenschutzanlagen. Sie stellen auch Polstermöbel her oder reparieren sie. Außerdem achten sie darauf, dass die Qualität stimmt.

Tätigkeitsbeschreibung (Bild vom Beruf)

Worum geht es? Räume innen gestalten - das ist die Aufgabe von Raumausstattern und -ausstatterinnen. Dabei berücksichtigen sie die jeweiligen Kundenwünsche. Sie wählen passende Bodenbeläge, Wandbekleidungen, Vorhänge oder Jalousien und Polstermöbel aus. Die Polster stellen sie auch selbst her. Außerdem montieren sie Sicht-, Licht- und Sonnenschutzsysteme.

Räume zur Geltung bringen

Raumausstatter/innen besprechen mit dem Kunden vor Ort, wie der Raum künftig aussehen soll und planen anschließend seine Ausstattung. Dafür beweisen sie Stilsicherheit, denn sie wissen um die ästhetische Wirkung von Farben und Formen. Sie messen den Raum, Fenster und bereits vorhandenes Mobiliar aus und bestellen z.B. Tapeten, Laminat oder Sichtschutz. Sie sind flexibel und belastbar, denn manchmal geraten sie bei der Abwicklung eines solchen Auftrages auch unter Termindruck. Schließlich geben sie ihren Kunden auch Reinigungs- und Pflegetipps. Sie arbeiten ebenso in Einrichtungshäusern wie in Werkstätten.

Ziegenhaar auf Landhausdielen

Raumausstatter/innen mit dem Schwerpunkt Boden kennen sich bestens im vielfältigen Angebot von Bodenbelägen aus. Bevor sie z.B. Teppich aus Ziegenhaar oder Landhausdielen als Fertigparkett verlegen, haben sie den Bodenuntergrund geprüft: Sind alle Fugen verschlossen? Sie bringen Grundierungen oder Schall- und Wärmedämmungsstoffe auf. Darüber hinaus sanieren sie Treppenstufen oder nähen und verspannen textile Bodenbeläge. Kunststoffe wie PVC oder Linoleum versiegeln sie, Kork wachsen oder ölen sie. Dabei müssen sie sich häufig bücken und arbeiten auch mit Klebern und Lösungsmitteln. Ihr kreatives Händchen kommt bei all dem nicht zu kurz, denn sie entwerfen Einlegearbeiten (Intarsien) oder verschiedenste Designverlegungen für Bodenbeläge.

Profis im Aufmöbeln

Von Anknüpfknoten bis Zylinderfeder beherrschen sie das ABC der Polsterei. Stuhlsitz, Sofa oder Eckbank sollen ein neues Gesicht bekommen? Raumausstatter/innen mit dem Schwerpunkt Polstern arbeiten in ihrer Werkstatt daran: Sie konstruieren oder restaurieren Sitzunterfederungen und den Rückenaufbau oder polstern Armlehnen und Sesselkanten. Dabei achten sie auch auf ergonomische Aspekte. Sie beziehen die Möbel mit dem gewünschten Stoff und bringen zur Verzierung Borten, Schnüre oder Quasten an.

Schwerpunkt Deko und Lichtschutz

Ein leichter Organzastoff für die Gardine mit dem farblich passenden Vorhang für das gediegene Restaurant gefällig? Mit der Nähmaschine schneidern Raumausstatter/innen Fensterdekorationen nach Wunsch und Entwurf und wählen dazu passende Gardinenschienen, -stangen oder Kordeln aus. Sie bringen z.B. auch Ziernähte oder Zugbänder an. Für ein Großraumbüro muss noch eine elektrisch steuerbare Licht-, Sicht- oder Sonnenschutzanlage montiert werden? Nachdem sie die baulichen Gegebenheiten geprüft und Lichtmessungen durchgeführt haben, ist auch das für die Raumausstatter/innen kein Problem.

Auf die Wand und an die Decke

Wände oder Decke brauchen ein neues Gewand? Hier helfen Raumausstatter/innen mit dem Schwerpunkt Wand- und Deckendekoration weiter. Von der Kunststoff- oder Kork-, über die Seiden- bis zur Wandbildtapete verschönern sie jeden Raum: Sie schneiden die Tapete, kleben sie auf und kleistern sie. An der Decke bringen sie auch fertige Stuckelemente an.

Aufgaben und Tätigkeiten (Liste)

Vorarbeiten:

  • Kunden/Auftraggeber bei der Gestaltung, Materialauswahl, Farbkomposition und Einrichtung von Räumen informieren und beraten
  • die auszustattenden Räumlichkeiten besichtigen; Raumausstattung unter Einbeziehung der Kundenwünsche planen
  • Aufmaße ermitteln, Materialbedarf errechnen
  • Licht-, Sicht- und Sonnenschutzanlagen bestellen, wenn keine eigene Anfertigung vorgesehen ist
  • Arbeitsablauf planen
  • Kundenauftrag kalkulieren


Aufgaben im Schwerpunkt Boden:

  • Untergründe prüfen und vorbereiten
  • Designverlegungen und Intarsien (Einlegearbeiten) entwerfen
  • textile Bodenbeläge konfektionieren, nähen und verspannen; Linoleum und Gummibeläge bearbeiten, Fertigparkett verkleben
  • PVC- und Linoleumbeläge versiegeln; Kork ölen und wachsen


Aufgaben im Schwerpunkt Polstern:

  • Polstermöbel herstellen und instand setzen; dabei z.B. Sitz-Unterfederungen und Rückenaufbau konstruieren, Armlehnen und Sesselkanten polstern, Polster beziehen und verzieren


Aufgaben im Schwerpunkt Raumdekoration, Licht-, Sicht- und Sonnenschutzanlagen, z.B.:

  • Fensterdekorationen entwerfen
  • Zeichnungen/Skizzen in Zuschnitte umsetzen
  • Teile zuschneiden, säumen; ggf. Ziernähte und -falten anbringen oder Zugbänder aufnähen
  • beim Kunden Aufhängevorrichtungen montieren, Gardinen und Vorhänge aufhängen; Licht-, Sicht- und Sonnenschutzanlagen montieren; ggf. selbst anfertigen


Aufgaben im Schwerpunkt Wand- und Deckendekoration:

  • Untergründe prüfen und vorbereiten
  • Tapeten, Wand- und Deckenbeläge, -bekleidungsstoffe oder -farben auswählen
  • Wand- und Deckenflächen gestalten, bekleiden und beschichten
  • Arbeitsergebnis im Rahmen der Qualitätssicherung überprüfen


Arbeitsbedingungen

Raumausstatter/innen führen vielseitige gestalterische und handwerkliche Tätigkeiten aus. Dabei arbeiten sie mit unterschiedlichen Materialien, Arbeitsgeräten und Maschinen. Um sich auf den sich stets verändernden Publikumsgeschmack einstellen zu können, wird Flexibilität erwartet. Auch mit Termindruck müssen sie fertig werden, zum Beispiel wenn Fertigstellungstermine einzuhalten sind. Sie arbeiten oft kniend, hockend oder gebückt und auf Leitern. Sie kommen mit Chemikalien, wie zum Beispiel Klebern oder Lösungsmitteln in Kontakt.

Arbeitszeit

Gelegentlich müssen Raumausstatter und -ausstatterinnen Überstunden ableisten. Auch Arbeitszeiten außerhalb der Geschäftsöffnungszeiten fallen an, z.B. bei Kundenbesuchen.


Körperliche Eignungsvoraussetzungen

  • Annähernd normale Körperkraft und Körpergewandtheit
  • (für überwiegend mittelschwere, zeitweise schwere Tätigkeit, z.B. Heben und Tragen von Fußbodenbelägen und Markisen)
  • Voll funktionsfähige und normal belastbare Wirbelsäule, Arme, Hände und Beine
  • (z.B. für Arbeit in Zwangshaltungen wie Bücken, Knien, Hocken und Überkopfarbeit sowie beidhändige Tätigkeit)
  • Weitgehend normales, gegebenenfalls entsprechend korrigiertes Sehvermögen, insbesondere Nahsehen, räumliches Sehen und räumliches Vorstellungsvermögen
  • Normales Farbensehen
  • (z.B. beim Gestalten mit Farben und Formen)
  • Intaktes Tastempfinden
  • (z.B. Befühlen der Stoffe auf Unregelmäßigkeiten)
  • Hinreichend widerstandsfähige Haut
  • (Belastung z.B. durch Umgang mit Lösungsmitteln, Klebstoffen, Farben und Lacken)
  • Wenig krankheitsanfällige Atmungsorgane
  • (Belastung z.B. durch Einwirkung von Staub, chemischen Gasen oder Dämpfen)
  • Intaktes Hörvermögen
  • (z.B. für das Wahrnehmen von Zurufen)
  • Schwindelfreiheit
  • (für die Tätigkeit auf Leitern und Gerüsten)


Körperliche Eignungsrisiken

Bei folgenden körperlichen Gegebenheiten sollte vor der Berufstätigkeit der Arzt/die Ärztin eingeschaltet werden:

  • Deutlich unterdurchschnittliche Körperkraft und Körpergewandtheit
  • In Funktionsfähigkeit und Belastbarkeit wesentlich eingeschränkte Arme, Hände, Beine und Wirbelsäule
  • Trotz Korrektur durch Sehhilfen erheblich gemindertes Sehvermögen bzw. Farbsehschwäche
  • Wesentlich eingeschränktes Tastempfinden
  • Krankheitsanfällige Atemwege
  • Wenig widerstandsfähige Haut, Allergien
  • Herz- und Kreislaufschäden
  • Erkrankungen des Zentralnervensystems, insbesondere Krampfanfälle
  • Gleichgewichtsstörungen

Arbeitsorte/Branchen

Beschäftigungsmöglichkeiten finden Raumausstatter und -ausstatterinnen insbesondere in Fachbetrieben des Raumausstatterhandwerks und in allen Betrieben, die entsprechende Dienstleistungen anbieten, zum Beispiel in Raumausstattungs- und Innendekorationsabteilungen von Warenhäusern. Sie arbeiten vor allem in Verkaufsräumen, Werkstätten sowie in den Räumen der Kunden.


Arbeitsbereiche/Branchen

  • Raumausstattung, ohne ausgeprägten Schwerpunkt
  • Einzelhandel mit Möbeln, Einrichtungsgegenständen und Hausrat, anderweitig nicht genannt, z.B. Möbelhandel und Einrichtungshäuser, Raumausstattungs- und Innendekorationsabteilungen von Warenhäusern, Kaufhäusern, Einkaufszentren, Shopping-Centern sowie Verbrauchermärkten
  • Einzelhandel mit Haushaltstextilien, z.B. Facheinzelhandel für Gardinen, Wohnbedarf und Ausstattungsartikel
  • Einzelhandel mit Tapeten und Bodenbelägen, z.B. Facheinzelhandel für Bodenbeläge, Tapeten und Farben
  • Herstellung von Polstermöbeln, z.B. handwerkliche Polstermöbelherstellung und Polstermöbelindustrie
  • Parkettlegerei
  • Tapetenkleberei
  • sonstige Fußbodenlegerei und -kleberei
  • Ausstellungs-, Messe- und Warenmarkteinrichtungen, z.B. Messebaubetriebe, -ateliers, Messegesellschaften und Messehallen
  • Opern- und Schauspielhäuser, Konzerthallen und ähnliche Einrichtungen, hier: Bühnenwerkstätten
  • Fernsehanstalten, hier: Ausstattungsabteilungen
  • Handelsvermittlung von Möbeln, Einrichtungsgegenständen und Antiquitäten
  • Handelsvermittlung von Heim- und Haushaltstextilien und Bodenbelägen
  • Großhandel mit Heim- und Haushaltstextilien
  • Großhandel mit Möbeln, Einrichtungsgegenständen, Antiquitäten und Bodenbelägen


Arbeitsorte

  • Werkstätten
  • Beim Kunden
  • Verkaufsräume
  • Fertigstellung


Arbeitsmittel

Bei der Gestaltung von Räumen haben Raumausstatter und -ausstatterinnen mit Bodenbelägen, Gardinen, Vorhängen, Wand- und Deckenbelägen, -bekleidungsstoffen oder -farben zu tun, aber auch mit Polstermöbeln, mit Licht-, Sicht- und Sonnenschutzanlagen. Sie benutzen eine Vielzahl handwerklicher Werkzeuge und Geräte, Mess- und Richtgeräte wie Wasserwaagen sowie Maschinen und Anlagen, z.B. Nähmaschinen. Kunden beraten sie zum Beispiel anhand von Musterkollektionen. Arbeitsunterlagen sind meist eigene Entwurfszeichnungen und Schnittpläne sowie technische Zeichnungen. Für Gestaltungsaufgaben, zur Auftragskalkulation, zum Berechnen des Materialbedarfs, zur Angebotserstellung oder zu Präsentationszwecken sind elektronische Medien wichtige Arbeitsmittel. Auch Telefon und E-Mail gehören zum betrieblichen Alltag.

Raumausstatter/in
Zugangsvoraussetzungen für die Ausbildung

Grundsätzlich wird - wie bei allen anerkannten nach dem Berufsbildungsgesetz oder der Handwerksordnung geregelten Ausbildungsberufen - keine bestimmte schulische oder berufliche Vorbildung rechtlich vorgeschrieben. Die Betriebe stellten über zwei Fünftel der angehenden Raumausstatter/innen mit Hauptschulabschluss ein. Ein Drittel der Ausbildungsanfänger/innen hat einen mittleren Bildungsabschluss.

Zugangsbedingungen

Ein Gefühl für die ästhetische Wirkung von Formen und Farben sowie Einfallsreichtum müssen vorhanden sein.

Neigungen und Interessen

Förderlich:

  • Neigung zu handwerklicher Tätigkeit mit körperlichem Einsatz
  • Neigung zu visuell gestaltender Tätigkeit (z.B. Zeichnen, Malen, Entwerfen, Modellieren)
  • Vorliebe für Umgang mit weichem Material (z.B. Textilien und Leder)

Nachteilig:

  • Abneigung gegen Staub, Nässe und Schmutzarbeit (z.B. Tapezieren und Anstreichen)
  • Abneigung gegen Lärm
  • Abneigung gegen Tätigkeit an wechselnden Arbeitsorten


Fähigkeiten

Notwendig:

Von den folgenden Fähigkeiten ist für die Berufsausbildung und Berufsausübung jeweils ein bestimmter Mindestausprägungsgrad notwendig. Ein darüber hinausgehender (höherer) Ausprägungsgrad ist meist vorteilhaft.

  • Durchschnittliches allgemeines intellektuelles Leistungsvermögen
  • Durchschnittliche Wahrnehmungs- und Bearbeitungsgeschwindigkeit sowie
  • (z.B. für das Wahrnehmen von feinen Farbunterschieden)
  • Durchschnittliche räumliches Vorstellungsvermögen
  • (Arbeit nach Plänen und Zeichnungen)
  • Durchschnittliche praktische Anstelligkeit
  • (z.B. beim Umgang mit Handwerkzeugen und Maschinen)
  • Handgeschicklichkeit
  • (für Detailarbeiten)

Förderlich:

  • Sinn für die ästhetische Wirkung von Formen und Farben (z.B. beim Zusammenstellen von Kombinationen aus Tapeten, Gardinen oder Bezugsstoffen)
  • Visueller Einfallsreichtum (z.B. bei der Auswahl von Stoffen und Bodenbelägen)
  • Zeichnerisches Darstellungsvermögen (Anfertigen von Skizzen und Zeichnungen)

» Wo deine Ideen zählen - Das Raumausstatterhandwerk (PDF)


Verdienst/Einkommen

Die folgenden Angaben sollen als Orientierung dienen und einen Eindruck von der Bandbreite der Einkommen vermitteln. Da sie unverbindlich sind, können aus ihnen keine Ansprüche abgeleitet werden. Das Einkommen ist wesentlich von den jeweils spezifischen Arbeits- und Qualifikationsanforderungen abhängig. Daneben werden in der Regel Berufserfahrung, Lebensalter, Verantwortlichkeit und die Wichtigkeit der Arbeit berücksichtigt. Es treten regionale und branchenabhängige Einkommensunterschiede auf. Der Durchschnitt liegt derzeit bei einem Stunden-Ecklohn in Baden Württemberg von derzeit € 11,80.

Spezialisierungen

Raumausstatter/innen haben die Möglichkeit, Schwerpunkte in den Bereichen Raumdekoration, Licht- und Sichtschutz, Bodenlegen, Wandbekleidung oder Polstern zu setzen. Auf Kundenberatung und Verkauf sowie Restaurierungs- und Reparaturarbeiten können sie sich ebenfalls spezialisieren. 

  • Raumausstatter /in - Restaurierungsarbeiten 

Funktions-/Tätigkeitsbereiche:

  • Produktion, Fertigung
  • Vertrieb, Verkauf, Kundengewinnung
  • Sanierung, Restaurierung


Weiterbildung im Überblick
Anpassungsweiterbildung/Qualifizierungsmöglichkeiten

Raumausstatter und -ausstatterinnen müssen aktuellen Trends im Wohnbereich Rechnung tragen. Je nach Mode werden unterschiedliche Materialien eingesetzt, die mit neuen Arbeitstechniken verarbeitet werden. Daher müssen Raumausstatter und Raumausstatterinnen ihre Kenntnisse und Fertigkeiten ständig an den allgemeinen Stand der Neuerungen anpassen. Durch Lehrgänge, Seminare und Kurse können sie ihre Kenntnisse und Fertigkeiten immer wieder an die neuesten Entwicklungen anpassen. Mögliche Themen sind Innenarchitektur und Innenraumgestaltung, Fußbodenlegen, Tapezieren oder Möbel- und Polsterwesen.

Weiterbildung (nach entsprechender Berufspraxis)

Bestimmte Weiterbildungsmöglichkeiten können auch den Weg zu einem beruflichen Aufstieg ebnen. In der Regel sind dafür einige Jahre Berufserfahrung erforderlich. 
Hier bieten sich z.B. folgende aufstiegsorientierte Weiterbildungsmöglichkeiten an:

  • Raumausstattermeister/in
  • Staatlich geprüfte/r Gestaltungsberater/in im Raumausstatter-Handwerk
  • Techniker/in - Raum- und Innenausbau

Wer über die erforderliche Hochschulzugangsberechtigung verfügt, kann ein Hochschulstudium anstreben. 
Für Raumausstatter/innen kommt z.B. folgender Studiengang in Betracht:

  • Innenarchitektur-, Möbeldesign

In einigen Bundesländern können besonders qualifizierte Berufstätige mit abgeschlossener Berufsausbildung und entsprechender Berufserfahrung auch ohne Hochschulzugangsberechtigung studieren. Die jeweiligen Zugangsvoraussetzungen werden landesrechtlich geregelt.

Selbstständigkeit im Beruf

Raumausstatter/innen können sich mit einem Raumausstatterbetrieb selbstständig machen: Nach der neuen Handwerksordnung ist für die Existenzgründung in einem zulassungsfreien Handwerk kein Befähigungsnachweis mehr vorgeschrieben. Das heißt, dass keine Meisterprüfung oder langjährige Gesellentätigkeit mehr vorausgesetzt wird. Der Schritt in die Selbstständigkeit ohne Meisterqualifikation sollte allerdings gründlich überlegt sein, da das nötige Wissen zum Führen eines Raumausstatter-Betriebes erst während der Vorbereitung zur Meisterprüfung in vollem Umfang vermittelt wird.


Weiterbildung (berufliche Anpassung)

Auch die Raumausstattung unterliegt einem ständigen Wandel. Neue Trends im Wohnbereich sind ebenso zu berücksichtigen wie aktuelle Warenkunde und Arbeitstechniken. Um hier Schritt halten zu können, ist für Raumausstatter und -ausstatterinnen eine kontinuierliche Weiterbildung wichtig. Für eine Spezialisierung auf einzelne Aufgabenfelder kann Weiterbildung ebenfalls förderlich sein.
In Seminaren und Lehrgängen können Raumausstatter/innen ihr berufliches Können und Wissen unter anderem in folgenden Bereichen vertiefen oder Spezialkenntnisse erwerben: 

  • Innenarchitektur, Innenraumgestaltung - allgemein
  • Estrich-, Fußbodenlegen
  • Textil - Materialkunde, Materialbeurteilung
  • Tapezieren
  • Möbel- und Polsterwesen - allgemein
  • Alte und neue Mal- und Lackiertechniken
  • Zuschneiden, Schnitttechnik, Schnittkonstruktion
  • Nähen, Schneidern, Bügeln - allgemein
  • Herstellung und Anwendung von Kleb- und Dichtstoffen, Klebverbindungen
  • Kunststoffanwendungen
  • Technisches Zeichnen - allgemein
  • Arbeitssicherheit im Handwerksbetrieb


Weiterbildung (beruflicher Aufstieg)

Raumausstattern und Raumausstatterinnen bietet sich eine Reihe fachspezifischer Weiterbildungen, die gleichzeitig als Grundlage für einen beruflichen Aufstieg anzusehen sind. Die Qualifizierungen setzen je nach Zielrichtung voraus, dass neben dem erforderlichen Berufsabschluss und umfangreicher praktischer Berufserfahrung gegebenenfalls auch die geforderten allgemein bildenden Voraussetzungen (Hochschulreife) erfüllt werden. In einigen Bundesländern können besonders qualifizierte Berufstätige mit abgeschlossener Berufsausbildung und entsprechender Berufserfahrung auch ohne Hochschulzugangsberechtigung ein Studium beginnen. Die jeweiligen Zugangsvoraussetzungen werden landesrechtlich geregelt.

  • Meister/innen
       • Raumausstattermeister/in
       • Industriemeister/in - Polsterei/Polstermöbel
  • Gestaltungsberater/innen
       • Gestaltungsberater/innen im Raumausstatter-Handwerk
  • Techniker/innen
       • Techniker/in - Raum- und Innenausbau
  • Fach- und Betriebswirte/-wirtinnen, Fachkaufleute
       • Fachkaufmann/-frau - Handwerkswirtschaft
  • Sonstige Sonderfachkräfte
       • Requisiteur/in
       • Gestalter/in - Handwerk
       • Betriebsassistent/in - Handwerk
  • Hochschulbildungsgänge
       • Innenarchitektur-, Möbeldesign (HA 833-42.8)
       • Dipl.-Ing. (FH/Uni) - Innenarchitektur
       • Dipl.-Ing. (FH) - Textil
       • Dipl.-Designer/in (FH/Uni) - Textil
       • Dipl.-Designer/in (FH/Uni) - Industrie-/Industrial-Design
       • Dipl.-Restaurator/in (FH) - Textil
       • Bühnenbildner/in
       • Kostümbildner/in


Aufstiegsfortbildung Einrichtungsberater/in

Um die Beratungs- und Verkaufskompetenz im Raumausstatter-Handwerk zu fördern, hat der Zentralverband Raum und Ausstattung (ZVR) eine neue Aufstiegsfortbildung entwickelt. Die Vorbereitung auf die Fortbildungsprüfung als „Geprüfter Gestaltungsberater im Raumausstatter-Handwerk“ kann in Bildungseinrichtungen des Raumausstatter-Handwerks oder auch autodidaktisch erfolgen. Unbedingte Voraussetzung ist allerdings eine erfolgreich abgelegte Gesellenprüfung als Raumausstatter/in. So wird gewährleistet, dass die Beratung auf der Basis solider Werkstattkenntnisse erfolgt. Dieses neue Berufsbild könnte beispielsweise für Personen, die keine Meisterprüfung anstreben und an einer Teilzeitarbeit interessiert sind, eine Perspektive darstellen.

Rückblick - Geschichte des Berufs
Entwicklung des Berufs

Bereits an den französischen Königshöfen statteten die so genannten "Tapissiers" die Gemächer der Regenten mit wertvollen Stoffen, Wand- und Bodenteppichen aus. Seit Mitte des 18. Jahrhunderts entwickelte sich in Deutschland neben dem Hoftapezier, sein Name wurde aus dem Französischen übernommen, auch der bürgerliche Tapezierer. Während dieser Zeit wurde aus dem "Garnieren", wie das Ausstatten von Räumen genannt wurde, ein eigenständiges Handwerk.
Seit Mitte des 19. Jahrhunderts bürgerten sich die Bezeichnungen Polsterer und Dekorateur ein. Die Berufsbezeichnung Raumausstatter/in wurde 1965 offiziell übernommen und hat inzwischen einen beachtlichen Bekanntheitsgrad erlangt.


Modernisierung des Ausbildungsberufs Raumausstatter/in

Um neuen Qualitätsanforderungen wie Umgang mit Informations- und Kommunikationstechniken, Arbeiten im Team und Qualitätssicherung Rechnung zu tragen, wurde die Ausbildung als Raumausstatter/in zum August 2004 rundum modernisiert. Außerdem beinhaltet der Beruf jetzt vier Schwerpunkte.
 
In den letzten Jahrzehnten hat sich der Wissenstand im Raumausstatter-Handwerk drastisch verändert. Nicht nur neue Materialien und technischen Anforderungen sind anders geworden; die Montageanforderungen, die Unterkonstruktionen und die Befestigungsmöglichkeiten haben sich in rasender Geschwindigkeit weiterentwickelt.
Der Kunde wird durch die neuen Medien mit Angeboten so überschüttet, dass er nicht mehr unterscheiden kann, was für ihn wünschenswert und erforderlich ist. Das hieraus resultierende Bedürfnis des Kunden nach Informationen, aber auch veränderte Haftungskriterien verlangen vom Handwerker ein umfangreiches Wissen. Diese Anforderungen gelten nicht nur für den Betriebsleiter, sondern für jeden Betriebsteilnehmer einschließlich der Gesellen und Auszubildende. Da sich in den letzten Jahren die Lernintervalle durch andere Schul- und Lernformen verändert haben, der Lehrling also in kürzerer Zeit mehr lernen musste, wurde eine Straffung und Veränderung der Lernziele und damit die Anpassung des Ausbildungsrahmenplans erforderlich. Hinzu kommt, dass sich 82 % der Raumausstatterbetriebe zu Spezialistenbetrieben entwickelt haben. Dies bedeutet, dass nicht alle Arbeitsfelder des Raumausstatter-Handwerks gleichmäßig ausgeübt werden. Die am 1.8.2004 in Kraft getretene neue Ausbildungsordnung zum Raumausstatter/zur Raumausstatterin trägt den neuen Anforderung Rechnung. Der um die Bereiche „Licht-, Sicht- und Sonnenschutz“ und „Moderne Kommunikationstechniken“ erweiterte Ausbildungsrahmenplan sieht für das dritte Lehrjahr das Festlegen eines Schwerpunktes in den Bereichen Dekoration/ Sonnenschutz, Polstern, Bodenlegen oder Wand- und Deckenbekleiden vor. Ausbildungsbetriebe können so den Schwerpunkt auf das Arbeitsfeld festlegen, worauf sie sich spezialisiert haben. Während dem Auszubildenden in den ersten beiden Lehrjahren in allen Arbeitsgebieten des Raumausstatter-Handwerks ausgebildet wird, findet ab dem dritten Lehrjahr die Spezialisierung im Schwerpunktbereich statt.

Neuregelung der Handwerksordnung zum 01.01.2004

Am 01. Januar 2004 ist die neue Handwerksordnung in Kraft getreten. Sie erleichtert die Selbstständigkeit und den Zugang zur Meisterprüfung. 53 Gewerbe von 94 sind zulassungsfrei, darunter auch das Raumausstatter-Handwerk. Hiernach können sich Gesellen auch ohne Meistertitel oder Berufserfahrung selbstständig machen. Der Schritt in die Selbstständigkeit ohne Meisterqualifikation sollte allerdings gründlich überlegt sein, da das nötige Wissen zum Führen eines Raumausstatter-Betriebes erst während der Vorbereitung zur Meisterprüfung in vollem Umfang vermittelt wird. Das Handwerksrecht wird an die Erfordernisse der EU angepasst. Für deutsche Staatsangehörige war es bisher schwieriger, einen Handwerksbetrieb in Deutschland zu gründen, als für Ausländer aus einem EU-Mitgliedsstaat. Die neue Zugangsregelung für erfahrene Gesellen ohne Meisterprüfung stellt eine weitgehende Annäherung an die Anforderungen an andere EU-Bürger dar.
 
Durch die Aufhebung des Inhaberprinzips können jetzt neben Kapitalgesellschaften auch natürliche Personen und Personengesellschaften einen Handwerksbetrieb führen oder übernehmen, ohne selbst über die handwerkliche Befähigung zu verfügen. Voraussetzung ist, dass die Inhaber einen Betriebsleiter mit Meisterbrief bzw. Ausnahmebewilligung einstellen.